Zu den Videoclips

1.)     Herkunft des Salsa

Anfang der 50er Jahre setzte aufgrund hoher Arbeitslosigkeit eine massive Immigrationswelle von Südamerika in die USA ein. Es entstanden - neben den Ghettos der Schwarzen - die Barrios der Lateinamerikaner. In den 60er Jahren durch die Black-Power-Bewegung der Schwarzen zu neuem sozialen Bewußtsein erwacht, bemühten nun auch sie sich, ihre eigenständige kulturelle Latino-Identität innerhalb der nordamerikanischen Gesellschaft zum Ausdruck zu bringen. Einige junge Musiker aus dem lateinamerikanischen Viertel El Barrio in New York versuchten, Sounds und Rhythmen zu mischen und einen neuen Stil zu kreieren, der anders sein sollte, aber gleichzeitig mit demselben "sabor" (span. Geschmack, Würze), der die afrokaribischen Rhythmen so auszeichnet. Eine große Rolle spielte dabei natürlich die bereits mitgebrachte Musik ihrer Herkunftsländer. Im Salsa vereinigen sich traditionelle kubanische (Son, Rumba) und puertoricanische Musik (Bomba, Plena) mit westlichem Jazz. Von New York aus begannen Größen wie Tito Puente und Celia Cruz den Siegeszug der lateinamerikanischen Musik. Heute wird Salsa weltweit getanzt. In Salsa-Zentren wie New York, Los Angeles, Puerto Rico oder Kuba entwickelten sich eigene Tanzstile (N.Y.-Style, L.A.-Style, Puerto Rico- und Cuban-Style). Der Grundschritt besteht immer aus drei Schritten auf den 4/4 Takt. In Südamerika, und L.A. wird auf den ersten Schlag getanzt. In Puerto Rico und New York auf den zweiten, in Kuba auf den dritten. Hier in Europa tanzt man auf den ersten Schlag im quick-quick-slow Rhythmus.

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2.Geschichte der karibischen Paartänze

(von Jördis und Henry Guzmán, etc.)

SALSA    *    MAMBO    *    RUEDA DE CASINO    *    CHA CHA CHA   *   CUMBIA    MERENGUE     BACHATA    *   

VALLENATO

Salsa und seine Wurzeln

Unsere Musik ist nicht anderes als der Ausdruck unserer Art zu lieben, zu hassen, zu fühlen, die alltägliche Existenz zu leben, ohne Schutz zu sein, voll von Sonne, Wind und Meer, einem Horizont und einem weiten Himmel, herrlich blau, der uns einhüllt mit unserer wahrhaftigsten Hoffnung der Karibik. (Domingo Alvarez)

Die Salsa-Musik ist kein Rhythmus oder Musikstil. Sie ist die Vereinigung aller musikalischen Tendenzen, die sich heute im urbanen Raum der Karibik treffen. Kubanischen Wurzeln entsprungen, in New York in den siebziger Jahren musikalisch angereichert, hat sich die salsa seitdem immer mehr ausgebreitet. Es ist kein Wunder, daß die Hochburgen zunächst in Regionen zu finden waren, in denen die gleichen sozialen und kulturellen Bedingungen herrschen wie in Kuba, z.B. in Caracas (Venezuela), Barranqilla und Cali (Kolumbien) oder San Juan (Puerto Rico), deren Bevölkerung sich zu großen Teilen aus Schwarzen und Mulatten d.h. den Nachkommen der afrikanischen Sklaven zusammensetzt. Salsa ist der musikalische Ausdruck des Barrios (Stadtviertels). Die sich immer mehr gleichenden Armenviertel bringen Themen und Traditionen hervor, die heute in den Salsa- Texten zur Geltung kommen: die Familie, die Liebe, die Freunde, die Sraße, das fehlende Geld, die Gewalt und Situationen sozialer Unzufriedenheit.

Auf Kuba, dem Ursprungsland der salsa, wird Musik nicht zelebriert, sie wird gelebt. Unvorstellbar, daß in irgendeinem Winkel von Havanna nicht Musik gemacht oder gehört würde - selbst bei einem der zahllosen (und stundenlangen) Stromausfälle dröhnt noch irgendwo ein letztes Transistorradio oder intoniert jemand auf einer leeren Flasche eine rumba. Die populäre Musik Kubas ist ein explosives Mischprodukt, in dem sich auch die wechselvolle Sozial-und Kulturgeschichte des Landes spiegelt. In einem jahrhundertelangen, von Widersprüchen und Auseinandersetzungen geprägten Verschmelzungsprozeß verband sich die traditionelle Musik der spanischen Siedler mit den Tänzen, Liedern und Instrumenten der Sklaven, die sich in Geheimgesellschaften und calbildos de nación zusammenschlossen. Das Ergebnis ist, wie der kubanische Nationaldichter Nicolás Guillén einmal gesagt hat, "klingender Rum, mit den Ohren zu trinken...".

Während der Kolonialzeit erlaubten es die politischen und wirtschaftlichen Bedingungen nicht, daß sich schwarze und weiße Kulturen auch nur annähernd gleichberechtigt gegenüberstanden. Außer bei religiösen Riten gab es jedoch für die Sklaven noch einige Möglichkeiten, sich musikalisch zu betätigen, z.B. während der Arbeit (Worksongs) oder wenn die weißen Herren ihre Sklaven zum Fest aufspielen ließen, um europäische Besucher mit dem Tanz- und Musikspektakel der "Wilden" zu konfrontieren. Eine dieser Gelegenheiten war der 6. Januar, nach christlicher Mythologie der Dreikönigstag, an dem die Sklaven eines Stammes ihren König wählten und anschließend in Gruppen mit Maskenträgern, Musikern und Tänzern (comparsas) durch die Straßen der Städte bis vor den Gouverneurspalast zogen. Auf dem jeweiligen Plaza de Armas, dem zentralen Waffenplatz, trommelten, tanzten und sangen sie, stürmten die Treppen zum Palast hoch, um dort ihre Neujahrsgeschenke (Süßigkeiten und Getränke, manchmal eine Unze Gold) in Empfang zu nehmen. Dieses Spektakel ließen sich auch die katholischen Spanier nicht entgehen. Demzufolge bedeutete für die Schwarzen der Karneval noch etwas anderes. Es war ihre Gelegenheit, die besten und schwierigsten Tänze mit den kompliziertesten Choreografien zu zeigen, mit Kostümen und Kulturattributen zu defilieren und ihre sonst als minderwertig qualifizierte Kultur zu produzieren.

So enstand die traditionelle kubanische rumba als Musik zum Feiern und zum Tanzen, musikalische Unterhaltung aus Sklavenbaracken, Mietskasernen und Vorstädten. Sie ist schwarze Musik, die sich aus dem Überlebenswillen der nach Kuba verschleppten afrikanischen Sklaven entwickelte, die mit Witz und virtuosen Trommelschlägen ihren Alltag auf der Zuckerinsel kommentierten.

Rumba ist in Kuba der Oberbegriff für drei sehr verschiedene Rhythmen: yambú, columbia und guaguancó. Der yambú ist ein heute ziemlich aus der Mode gekommener Paartanz. Die columbia dagegen gibt als reiner Männertanz Raum für akrobatische Choreografien. Und schließlich ist das, was in Europa heutzuta ge als Salon-Rumba bekannt ist, nichts anderes als eine Version des kubanischen guaguancó. Die alten schwarzen Musiker in Kuba bestehen auf der Feststellung, daß der guaguancó ursprünglich überhaupt kein Paartanz war, sondern vor allem ein Gesang; so etwa wie eine klingende Zeitung. Der Guaguancó-Sänger unterhielt sein Publikum mit gesungenen Geschichten und Anekdoten, er kommentierte mit deftigem Humor politische Ereignisse und Skandale, er karikierte Aufseher, weiße Herren und Politiker oder plauderte über Klatsch und Tratsch aus dem Stadtviertel, dem barrio. Erst seit Anfang dieses Jahrhunderts wurde dem gesungenen Teil des guaguancó ein getanzter Teil mit einer recht anzüglichen, um nicht zu sagen pornografischen Choreografie angehängt. Tänzer und Tänzerinnen demonstrieren das Ritual der Eroberung, in dem der Hahn die Henne umkreist. Die Zuschauer stehen im Kreis um die tanzenden Paare und kommentieren mit rhythmischen Klatschen, Pfiffen, Rufen und Gelächter den getanzten Geschlechterkampf, der traditionell mit der neckischen Ergebenheitsgeste der Frau endet: Sie erlaubt, daß der Mann ihr Becken "impft" - vacunao nennt man dies auf kubanisch. Allerdings bestehen auch viele Frauen darauf, sich nicht vacunieren zu lassen, als Zeichen tänzerischer Geschicklichkeit.

Die Choreografie des guaguancó beschreibt ebenso eindeutig wie eindrucksvoll die Symbiose, die in der kubanischen Kultur stattgefunden hat. Man erkennt Gestik und Mimik des Flamenco, die Tanzschritte der kleinen Abakuá-Teufel, den Manila-Umhang und die kubanische Sandale. Man hört den afrikanischen Rhythmus und die Tiefgründigkeit des andalusischen cante jondo. (Miguel Barnet)

Ursprünglich spielte man die rumba mit Trommeln. Als diese jedoch in der Kolonialzeit verboten wurden, wich man auf Kabeljau-Kisten (cajones), Schubladen oder ähnliches aus. Die cajones ersetzten die Trommeln vorzüglich, da sie aus einem Holz gefertigt wurden, das beim Trommeln einen schönen sonoren Klang hervorbrachte. Deshalb wurden sie auch nach der Aufhebung des Trommelverbots gerne weiterbenutzt.

Eine rumba beginnt immer mit dem "Alarm", den die claves (zwei Klanghölzchen) schlagen und der von einem lalaleo der Sänger begleitet wird, sozusagen das Zeichen für die Anwesenden, daß das Fest nun beginnt. Nachdem der oder die Vorsänger einen Satz oder einen längeren Text improvisiert haben, wiederholt der Chor den Refrain immer wieder, bis sich die Trommler in komplizierte rhythmische Strukturen steigern, wonach der Tanz beginnen kann. Aus den spanischen Traditionen stammen andere Tänze und Liedformen wie z.B. der guajiro, den die weißen Bauern zu festlichen Gelegenheiten aufspielten. Auch hier wird viel improvisiert - die Sänger kommentieren in Wechselgesängen (controversias campesinas) alltägliche Begebenheiten oder politische Verhältnisse.

Der danzón, ein Tanz, der sich aus dem französischen contredance entwickelte, war zunächst eher in den vornehmen Salons Havannas zu Hause. Allerdings wurde auch er ähnlich dem Bolero bald vom Volk aufgegriffen und zu einem beliebten Volkstanz entwickelt. Bis in die zwanziger Jahre dieses Jahrhunderts waren Musik und Tanz eine Frage der Rassenzugehörigkeit: Die Afrokubaner hatten ihre rumba, die Weißen tanzten danzón. Doch kurz nach der Errichtung der Republik 1902 (der Unabhängigkeit von Spanien und den ersten US-amerikanischen Militärinterventionen) brachten Wanderarbeiter aus dem fernen Südosten Kubas einen Tanz mit nach Havanna, der Scharz und Weiß in sich vereinte - ein kreolisches Mischprodukt aus spanischen und afrikanischen Traditionen: den son. Von den Spaniern stammen die Verse und die Saiteninstrumente, von den ehemaligen Sklaven die Perkussion und der synkopierte Rhythmus.

Der son spiegelt die kubanische Seele wider, er ist música mulata - Mulattenmusik, von Europa und Afrika in Kuba. (Nicolás Guillén)

Zum Markenzeichen der kreolischen Kultur wurde der son, weil sich zum ersten Mal weiße und scharze Kubaner mit derselben Musik indentifizieren konnten. In den zwanziger Jahren verbreitete sich der son über die gesamte Insel und in die Städte. An jeder Straßenecke hörte man seinen lasziv synkopierten Rhythmus. Die Musiker begleiteten sich auf handlichen leichten Instrumenten: dem tres (einer kleinen Schwester der spanischen Gitarre), Bongotrommeln, maracas (hierzulande als Rumbakugeln bekannt) und den claves. Als Bass fungierte meist eine leere Flasche. Als nun der son zum beliebtesten Tanz der Haupstadt avancierte und die tanzwütigen Habaneros immer größere Tanzsäle füllten, erwies sich diese Instrumentierung als zu dürftig. So kamen Gitarre, Kontrabass und Trompete hinzu - die instrumentale Grundausstattung der zahllosen sextetos und septetos im Havanna der zwanziger Jahre.

Der blinde Tres-Spieler Arsenio Rodríguez leitete 1940 eine neue Phase für den son ein: Er fügte dem traditionelln Son-Septett zwei Trompeter, zwei Sänger, einen Pianisten und einen Conga-Spieler hinzu, nannte diese Orchsterform conjunto und produzierte einen spezifischen Klang, den man heute als Wegbereiter der New Yorker salsa erkennen kann. Bekanntester sonero dieser Zeit war Benny Moré, dessen Platten noch heute in Kuba gerne gehört und gekauft werden. Insbesondere galt er als Meister des son montuno, der schnellsten und temperamentvollsten Variante des son aus den Bergen des Ostens, der oft in großer Orchesterbesetzung gespielt wird.

In den vierziger und fünfziger Jahren machten dem son zwei neue kubanische Rhythmen Konkurrenz, die um die Welt gingen: mambo und chachachá. Alle drei Tänze werden traditionell von Charanga-Orchestern gespielt, deren Klang entfernt an europäische Kaffeehaus-Orchester erinnert: leicht zittrige Geigen, ein sanft verstimmtes Klavier, eine konzertante Querflöte, ein rhythmischer Kontrabass und die hier spezifische karibische Perkussion.

In dem Lied "Mi salsa Cubana" von Septeto Raison heißt es: "...im kubanischen Salsa-Topf köcheln son, mambo, guaguancó und chachachá vor sich hin und verbreiten einen unwiderstehlichen Duft."

In den siebziger Jahren gelangte der son schließlich in die USA. Bekannte Namen wie Celia Cruz oder Tito Puente sorgten dafür, daß er speziell in der Musik- und Nachtclubszene von New York rasch begeisterte Anhänger fand. Das wachsende Interesse stieß bald auf die Resonanz der Medienindustrie: sie begann den son unter dem Begriff salsa (scharfe Soße) weltweit zu vermarkten. Ein typisches Produkt dieser kommerzialisierten Variante ist beispielsweise die salsa romantica, die auch dem "weniger feurigen" amerikanischen bzw. europäischen Geschmack entsprach und sich international durchsetzen konnte.

In der Salsa-Szene der USA gibt es wohl kaum ein Fest, das die Latinogemeinde so sehr herbeisehnt, wie das große Straßenfest in Miamis achter Straße. La Calle 8 verwandelt sich in jedem Frühjahr für drei Tage und Nächte in eine Party- und Tanzzone besonderer Art. Die bekanntesten Salsa- und Merengue-Gruppen sind zu Gast und spielen rund um die Uhr für ihre Fans. Miami gilt als Hochburg der Salsa- und Merengue-Kultur, seit sich dort hunderttausende von Exil-Kubanern niedergelassen haben. Sie sorgten nicht nur für eine eigene Infrastruktur mit Wohnvierteln, Clubs und Läden, sondern lockten auch Menschen aus Kolumbien, Brasilien, Venezuela und anderen südamerikanischen Ländern an. Entsprechend bunt und vielseitig präsentiert sich die Musikszene der Stadt, in der die unterschiedlichsten Stile und Nationen verschmelzen.

Von New York aus erfaßte die salsa den gesamten karibischen Raum. So brachte Richy Rey 1968 die Salsa-Musik auch nach Baranquilla an der kolumbianischen Karibik-Küste, dem Zentrum der Cumbia-Musik und des zweitberühmtesten Karnevals in Amerika. Die dortigen Bewohner nahmen diese Musik als etwas eigenes auf. So ist Baranquilla auch bekannt für seine picos und seine Straßenfeste. Picos sind kleine, bunt mit folkloristischen Themen bemalte Lastwagen mit fest installierten riesigen Lautsprecherboxen. Leute aus einer Straßenzeile schließen sich zusammen, mieten einen pico, sperren die Straße ab und verwandeln sie in eine Tanzpiste. Sie stellen Stühle und Tische heraus und laden die Nachbarn der anliegenden Straßenzüge zu ihrem Fest ein...

Während des Karnevals findet in Baranquilla ein großer Orchesterwettstreit mit mehr als 30.000 Besuchern statt. König diese Festivals ist Joe Arroyo. Achtmal wurde er mit dem höchsten Preis, dem Congo de Oro, ausgezeichnet. Auch auf dem jährlich in Cartagena organisierten größten Musik-Festival der Karibik ist er der Star seiner Heimatstadt. In seiner zwanzigjährigen Musikkarriere hat sich der aus ärmsten Verhältnissen stammende Joe in die Herzen der Menschen gesungen.

Als eigentliche Hauptstadt der Salsa-Musik gilt in Kolumbien allerdings Cali, die Stadt der Rumba. Ihr zugehöriges Land, das Valle ist der größte Zuckerrohrproduzent Kolumbiens. Durch die Vielzahl ehemaliger schwarzer Plantagensklaven erscheint die Rassenmischung eher afrikanisch. Außerdem gab es über den nahegelegenen Pazifikhafen Buenaventura in diesem Jahrhundert eine ständige Immigration von Fremden, angezogen von dem wirtschaftlichen Reichtum der Valle-Region und deren Hauptstadt Cali. Die musikalische Sensibilität der Schwarzen und Mulatten hat der Salsa-Musik in Cali zum Durchbruch verholfen. Schon in den sechziger Jahren wurden die ersten Salsagruppen gegründet u.a. Fruko y sus tesos. Heutzutage gibt es unzählige Salsotecas, in denen man sowohl tanzen als auch Musik hören kann. Im Juanchito, einem ganzen Salsa-Dorf in der Nähe Calis, das nur aus Tanzschuppen besteht, verbringt die Bevölkerung das ganze Wochenende.

Zwischen Weihnachten und Neujahr feiert die Stadt ihr jährliches Fest - die "Feria de Cali". Mit Stierkämpfen und Umzügen, aber haupsächlich als eine große "Rumba" auf allen Straßen und Plätzen, in den Barrios und im Fußballstadion, wo anläßlich des Festivals der Orchester in einem musikalischen Marathon von 12 Stunden etwa 30 nationale und internationale Orchster defilieren. Hier treten die großen Stars der Salsa-Musik auf: Celia Cruz, Ruben Blades, Oscar d´Leon, Marc Anthony, Rey Ruiz etc. und die besten der etwa hundert kolumbianischen Salsa-Orchester wie Grupo Niche oder Guyacan.

Die Caleños haben neben ihrem ganz eigenen Tanzstil auch die berühmtesten Tänzer der Salsa-Bewegung hervorgebracht. Sie sagen, daß der Tanz wie ein Ritual ist, in dem sich Rhythmus, Melodie, Harmonie und Timbre der Salsa-Musik in Bewegung umset zen. Es gibt Wettbewerbe und es gilt als soziales Prestige salsa tanzen zu können. "Der Körper weiß mehr von der Welt als das Bewußtsein. Es ist keine Technik, die man lernen kann, wie ihr Europäer das macht mit euren Tänzen. Ihr habt immer Formeln für alles, sogar, um Liebe zu machen, als ob die Liebe und der Tanz nicht aus dem tiefsten Inneren eines Menschen geboren würden, als ob sie nicht der vitale Lebensrhythmus selbst wären...".

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Mambo

Der Begriff mambo stammt aus dem religiösen Bereich Afrokubas und bedeutet soviel wie heilige Handlung, aber auch Versammlung oder Gespräch. Die Trommeln als heilige Instrumente redeten miteinander und mit den Göttern. Es entstand eine polymetrische Unterhaltung, in der jeder Musiker individuell seinen eigenen Rhythmus in verschiedenen Tonlagen schlug.
Auch im modernen Mambo findet man diese Überschneidung und Verbindung unterschiedlicher Rhythmen. Der in Kuba geborene Musiker Anselmo Sacasas entwickelte aus der traditionellen afrokubanischen Musikform den ersten eigentlichen Mambo-Stil. Sein 1944 erschienener Mambo war in allen damals aktuellen Hitlisten zu finden. Als ebenso bekannt galt das Mambo-Orchester Machito.
Im Zweiten Weltkrieg, als kubanische Musiker in die USA einwanderten, kam es zur Verflechtung des nordamerikanischen Jazz mit den kubanischen Rhythmen (Afro-Cuban-Jazz). Vor allem die Betonung des damaligen Swing auf die Taktschläge 2 und 4 faszinierte die kubanischen Musiker derart, daß sie diese Gewohnheit im Mambo-Rhythmus adaptierten. Von New York aus gelangte der mambo 1955 auch nach Europa.
Der Mambo-Tanz orientiert sich an den vorgebenen Rhythmen, wobei man jedoch auf die originalkubanischen Schritte (seit/vor/rück und seit/rück/vor) zurückgriff und damit das englische System der rumba kreierte. Die Hüften sollten auf 2 und 4 ruckartig bewegt werden. Nach dem Krieg allerdings herrschte jahrelang Verwirrung über die Technik und die Ausführung des mambo. Wegen seiner rhythmischen und tänzerischen Kompliziertheit wurde er bald von der langsamer gespielten chachachá verdrängt.
Nach jahrzehntelanger Vergessenheit verhalf eine Filmwelle im Jahre 1987 dem mambo wieder zu mehr Popularität. Mit "Mambo-Kings" und "Dirty Dancing" brach das Tanzfieber erneut aus und - verschwand ebenso rasch, wie es kam.

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Was ist Rueda de Casino?

"Rueda", zu Deutsch Rad, entstand in Kuba in den fünfziger Jahren. Sie wurde meist in den "Casinos Deportivos" getanzt. Diese waren sehr exklusive Klubs, nur für Mitglieder, wo Tanzbälle mit großen Orchestern veranstaltet wurden. Es hat aber nicht lange gedauert bis der Tanz auch die Straßen von Havanna erobert hat. "Rueda de Casino", "Casino Rueda" , oder einfach nur "Rueda" wird, wie der Name schon vermuten lässt, im Kreis getanzt. Dafür ist wahrscheinlich der Einfluß des Contradanzas, ein französischer Gruppentanz, der von Haitianern nach Kuba gebracht wurde, verantwortlich.
Die Rueda de Casino musste für mehrere Jahre in den Untergrund, weil durch das Castro Regime viele künstlerische Aktivitäten unterdrückt wurden. In den achtziger Jahren brachten Flüchtlinge aus Kuba ihre Kultur und Musik in den USA, vorwiegend nach Miami, wo dieser Tanz so etwas wie eine Renaissance erfuhr. Aber auch die Kubaner haben die Rueda wieder entdeckt.
Damals hat man die Rueda noch nach Cha-Cha-Cha-Rythmen getanzt. Heute wird sie nach Salsa getanzt. "El Cantante" (der Sänger) gibt die Anweisungen und alle Paare tanzen simultan verschiedene Figuren. Dabei können sie schnell auch den Tanzpartner wechseln. Es entsteht eine Dynamik, die hinreißend ist. Noch schöner als zuzusehen, ist wenn man selber mittanzt. Und die Begeisterung für diesen Tanz hat vor allem in Miami eine Welle ausgelöst, wo viele Kubaner Rueda unterrichten.
In dem bekannten "Salsa Lovers Dance Studio" in Miami werden an einem Abend manchmal mehr als 600 Schüler von 16 Lehrern in Rueda unterrichtet. Aber nicht nur in den USA sind die Menschen von der Rueda begeistert. Auch hier in Europa ist die Rueda de Casino sehr beliebt. In Holland, Frankreich und Spanien, um nur einige Länder zu nennen. (von René Zambrana)

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Merengue

Merengue - die expressivste Form kreativer Eigendarstellung der Dominikaner und Ausdruck nationalen Selbstbewußtseins!
Über den historischen Ursprung des merengue teilt sich das Heer der Sachverständigen in zwei Lager. Die einen vertreten die These einer bodenständigen Entwicklung. Auch innerhalb dieser Gruppe offenbaren sich die verschiedensten Überzeugungen. So schreiben einige Juan Babtista Alfonseca die "Vaterschaft" des merengue zu. Andere vermuten seine Enstehung als spontaner Ausdruck des Sieges gegen die Haitianer nach der Schlacht von Talanquera. Dritte wiederum pochen auf eine Ableitung aus Taino-Traditionen, die später mit kolonial-spanischen und afrikanischen Elementen vermischt wurden. Einer volkstümlichen Erklärung zufolge entstand der merengue während einer Fiesta, auf der ein hochrangiger Gast mit einem Klumpfuß zu tanzen versuchte. Um den Behinderten nicht zu brüskieren, übernahm die ganze Gesellschaft sein steifbeiniges Schlurfen - und der merengue war geboren ! Die anderen plädieren für eine externe Enstehung des merengue. Auch unter den Vertretern dieser "Importtheorie" herrscht Unklarheit, ob der Tanz direkt aus Afrika oder über den Umweg Kuba kam. Einige spekulieren sogar über eine Verbindung zu den berüchtigten Piraten von "La Tortuga", denn - Seeräuber tragen oft Holzbeine !!!
Auch der Name "Merengue" bleibt geheimnisvoll. Leitet er sich von der bekannten Süßspeise aus Eierschnee und Zucker ab oder stammt er aus einer afrikanischen Sprache ? Gewiß allerdings ist, daß der merengue um 1850 in der Gegend von Cibao bereits präsent war und unter der Landbevölkerung rasch Anhänger gewann. Dagegen rümpften die Mitglieder der "feinen Gesellschaft" in den Salons der Städte die Nase über den Bauertanz. Erst während der Trujillo-Ära geläng dem bislang geächteten Tanzvergnügen auch der Einbruch in breitere gesellschaftliche Schichten. Trujillo hatte die Bedeutung des merengue als Propagandamittel erkannt und nutzte ihn als ideologisches "Frachtschiff" zu den entlegendsten Winkeln seines kleinen Reiches. Es heißt, daß der Tyrann selbst zum besessenen Tänzer wurde, der für sich das Privileg in Anspruch nahm, anläßlich seiner kostspieligen Bälle als erster das Tanz bein zu schwingen.

Auf "Wunsch" des Diktators nahmen Radiosender den Merengue in ihr Programm auf. Die Plattenindustrie zog nach und zu guter Letzt wurden die Merengue- Festivals zum "Bestandteil des nationalen Kulturerbes" aufgewertet. Das Trujillo-Regime endete 1961 unrühmlich, der merengue jedoch, befreit von seinen politischen Fesseln, fand zu seinen Wurzeln zurück und wurde wieder Stimme des Volkes. Mehr noch, er integrierte neue Musikformen, erweiterte die Instrumentierung und gelangte schließlich auch auf andere Karibikinseln und in die USA. Dort haben moderne Interpreten wie z.B. Juan Luis Guerra und Wilfrido Vargas weltweite Erfolge erzeilt. Letzterer wurde 1990 sogar für einen "Grammy-Award" (dem "Musik-Oscar") nominiert.
Heutzutage begleiten die Klänge des Merengue den Dominikaner auf Schritt und Tritt. Radiosender spielen rund um die Uhr. Die Menschen auf der Straße bewegen sich im Takt der Musik, die ihnen aus tragbaren Kasettenrecordern und den Deckenlautsprechern der colmados oder Restaurants entsgegenschallt.
Musikkenner unterscheiden mehrere Stilrichtungen wie z.B. den bolemerengue, jalemerengue, juangomero und pambeche. Der Einfachheit halber reduziert der dominikanische Wissenschaftler den merengue auf zwei Grundtypen, den "traditionellen" und den "städtischen" merengue. Ersterer ankert im bäuerlichen Milieu und wird von Combos aus drei bis vier Feierabendmusikern (perico ripiao) vorgetragen. Die Texte, die man gewöhnlich in Mundart singt, werden traditionell von einer tambora, einer güirra und einem accordeon begleitet. Die tambora ist eine kleine Trommel afrikanischen Ursprungs mit Ziegenfellbespannung, die eingeklemmt zwischen den Knien linkshändig geschlagen und rechtshändig mit einem kleinen Schlegel (bollilo) gespielt wird. Als güirra, eigentlich eine der Taino-Folklore entlehnte Kürbis-Kalebasse mit Kerbschnitt, über die man ein Hölzchen schrappt, wird heute ein konischer Zinnzylinder verwendet. Das accordeon wurde im 19. Jahrhundert aus Deutschland importiert und gegenwärtig lokal auch durch ein Saxophon ersetzt. Pericoripiao-Combos spielen sehr zur Freude der Urlauber oft am Strand oder musizieren, angeworben von den Hotels, zur Abendunterhaltung.
Der "städtische" Merengue, der auf dem Medienmarkt und den Nachtclubs dominiert, ist umfangreicher instrumentiert. Zu den bereits genannten Instrumenten gesellen sich Trompete, Posaune, E-Bass und Synthesizer. Bei den Interpreten handelt es sich meist um ausgebildete Musiker. Seine aktuellsten Auswüchse sind in Mischformen wie Tecno-, Rap- oder HipHop-Merengue auch in den internationalen Charts und Diskotheken vertreten, wie z.B. von Proyecto Uno, Sandy & Papo u.v.a.
Traditionell setzt sich ein Merengue-Stück aus drei Suiten zusammen: dem paseo oder Entree, das der Tanzvorbereitung dient, dem merengue, der das Thema des Werkes entwickelt und dem jaleo, einer Art Crescendo, das als Höhepunkt meist mehrstimmig vorgetragen wird. Die Merengue-Texte erinnern an die afro-amerikanische Bluestradition. Obwohl natürlich der Themenauswahl keine Grenzen gesetzt sind, besingen die Lieder überwiegend Frauen, enttäuschte Liebe, Trinkgelage, prominente Zeitgenossen und historische Helden. Auch kommentieren sie die Alltagswelt, insbesondere die Armut und die politische Mißstände. Typisch für den Merengue ist der zündende Refrain, den die Sänger meist mehrstimmig ständig wiederholen. Liebeslieder erschrecken prüde Gemüter mit frivolem Hintersinn, sozialer Protest mischt sich mit frechem Humor.
Ein Höhepunkt für jeden Merenguero ist das Festival del Merengue, das in der Dominikanischen Republik jedes Jahr in der dritten Juliwoche stattfindet. Tausende Dominikaner und Urlauber drängeln sich auf der Av. George Washington entlang dem Malecón, der Strandpromenade Sto. Domingos, und tanzen ausgelassen zu den Rhythmen der Combos, die auf provisorischen Plattformen das Publikum anheizen.

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ChaChaChá

Die chachachá wird auch als eine Abart der rumba betrachtet. Sie ist ebenso wie der mambo, aus dem sie hervorging, im Grunde genommen eine künstliche Tanzschöpfung, als deren Erfinder Enrique Jorrin (Habana, 1953) gilt.
Die ursprünglich mambo-chachachá benannte Tanzform avancierte 1956 zu einem der weltweit beliebtesten modernen Gesellschaftstänze. Ihr Name erscheint sozusagen als Tonmalerei (Onomatopöie), da das chachachá in der Musik als eine Art Triole (auf 4 und 1) enthalten ist und entsprechend mit drei Schritten getanzt wird.

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Cumbia

Cumbia! Tanz der Schwarzen, Tanz meiner Heimat! Eine ganze Rasse schreit auf in diesen elektrischen Bewegungen, den verrenkten Pirouetten der epileptischen Glieder... (Jorge Angel)
Die cumbia oder cumbiamba gilt als der traditionell wichtigeste Musikstil an der kolumbianischen Karibik-Küste. Ihr Name entstammt dem Wort cumbé, einem populären afrikanischen Tanz aus der Region von Batá in Guinea. Dabei bedeutet "cum" Trommel und "ia" sich bewegen, sich schütteln. Ursprünglich von den Sklaven nach Kolumbien gebracht, vermischte sich der cumbé im Laufe der Zeit mit indianischen und spanischen Elementen und wandelte sich so in die cumbia, einem Tanz der Mestizen.
In der Kolonialzeit breitete sich die cumbia in den Regionen von Cartagena, Santa Marta und Magdalena aus. Die wahre cumbia war ein Ritualtanz und begann mit sehr langsamen Rotationen, dauerte Stunden und Tage...wie eine Reise ohne Wiederkehr.

"Gib mir deine Cumbia
gib mir deinen Porro
gib mir deinen Merecumbé
mit deinen hübschen Frauen
mit deiner herrlichen Landschaft
mit deinem köstlichen Schnaps
möchte ich genießen in Kolumbien."

(Giullermo Portavales "Cumbiamba")

In diesem rituellen, erotischen Tanz repräsentiert die Frau das indianische und der Mann das afrikanische Element. Die Frau hält ein Bündel von brennenden Kerzen in der Hand, während der Mann sie mit lasziven Bewegungen umwirbt, ohne sie jedoch zu berühren. Es ist die Frau, die die Kerzen trägt, denn sie ist das Licht, das den Mann auf seinen Wegen führt. Die Paare tanzen im Kreis um die Musiker herum. Die Männer tragen weiße Hosen und Hemden, ein rotes Halstuch, einen Hut aus Palmenfasern und haben Indiobeutel bzw. Machetenfutterale umgehängt. Die Frauen sind mit langen, weiten Röcken (polleras) und Rüschenblusen im traditionellen Rotweiß-Karomuster bekleidet. Das Ritual beginnt: die Männer versuchen die Frauen zu erobern; diese weichen aus, lassen sie ins Leere laufen, geben sich ihnen momentan hin...
Nachts markierten die afrikanischen Trommeln den Rhythmus zur glühenden Melodie der indianischen Gaitas, zur Ergötzung der Herrschenden, die ihre Logen auf den Mauern von Cartagena De Indias aufstellten und so die Schwarzen und Indios beobachteten, die am Strand um ein riesiges Feuer spielten und tanzten. (Historische Beschreibung)

Die cumbia war zum Anfang nur ein Tanz ohne Gesang, der noch im 17. Jahrhundert ausschließlich von Trommeln begleitet wurde. Erst später wurden die Instrumente mit indianischen und europäischen Elementen erweitert. Die wichtigsten indianischen Instrumente sind die gaitas und die maracas. Die gaitas, nicht zu verwechseln mit den gleichnamigen europäischen Instrumenten, sind Flöten, die aus einem Kaktus (cardón) hergestellt und traditionell von den Cuna-Indios im Choco-Urwald und den Kogis in der Sierra Nevada von Santa Marta gespielt werden. Die weibliche gaita besitzt fünf Öffnungen und trägt die Melodie bzw. den Gesang. Die männliche gaita hat nur ein Loch und markiert die tiefen Töne d.h. den Takt des Liedes. Der schwarze Kopf dieser Flöte ist aus mit pulverisierter Pflanzenkohle gemischtem Bienenwachs gefertigt; das Mundstück besteht aus einem Stück Entenfeder. Als zweites indianisches Instrument gelten die maracas, kleine Kalebassen- Kürbisse, die mit Samen, kleinen Steinen oder Reis gefüllt sind. Außerdem kommen in der Cumbia-Musik drei verschiedene Trommeln vor - die männliche Trommel el llamador (Rufer) von etwa 25 cm Höhe, die weibliche Trommel el alegro von 70 cm und der bombó oder auch tambora mit zwei Membranen. In jüngerer Zeit waren in der Cumbia-Musik auch die Klänge des europäischen Akkordeons zu finden, später kamen auch die caja (Marschtrommel), die Klarinette, verschiedene andere Blasinstrumente und das Klavier hinzu.
Die cumbia erscheint als musikalische Matrize, die regional spezifische Musikstile umschließt: den bullerengue, den porro, chandé, die puya, gaita, den mapalé, merengue, paseo, fandango, den abosao, den paseo vallenato und andere. Die Themen der Lieder besingen die Frau, die Liebe, die Natur und den Alltag der Karibik-Bewohner. Banale Texte wie "Ich habe mein Kettchen verloren" wechseln sich ab mit politischen Manifesten wie "Ich möchte aufschreien, aber sie lassen mich nicht..." Ein gutes Beispiel ist "La Zenaida" von Armando Hernandez:

"Am frühen Morgen verläßt Zenaida ihr Elendsviertel,
steckt ihre Zigarre an und geht los, um reife Früchte zu verkaufen.
Zenaida hat hart zu laufen mit ihren Sandalen,
eine reife Frucht, die Frau der Straße,
Negrita aus dem Mangrovenwald, Ameise der Stadt...
Deine Frucht schmeckt mir nach Cumbia, Cumbia meines Meeresstrandes.
Zenaida, tanz meine Cumbia, tanz meine Cumbia..."

Heute hat die cumbia auch die Discotheken und Festivals der kolumbianischen Karibik-Küste erobert. Durch die vielen Radiostationen begleitet sie die Bewohner im Norden Kolumbiens in allen Lebenssituationen. Das wichtigste Cumbia-Festival findet jedes Jahr im Juni in El Banco/Magdalena statt. Eine der bekanntesten Cumbia-Gruppen sind die Corraleros de Majagual, begründet 1959 von Antinio (Toño) Fuentes, dem legendären Urheber von Discos Fuentes, dem größten Label für musica tropical in Kolumbien.
Der wohl bedeutendste Cumbia-Hit wurde im Jahre 1962 von Wilson Choperena komponiert und zunächst von Pedro Salcedo, in der Folge von allen wichtigen Cumbia-Orchestern interpretiert - "La Pollera Colora". Mit diesem Lied trat die Cumbia ihren Siegeszug durch das "kalte Land" (tierra fria) der Bergregionen Kolumbiens an und gelangte schließlich auch zu internationalem Erfolg.

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Bachata

Bachata ist ein aus der Dominikanischen Republik stammender Musikstil bzw. Tanz, der momentan (seit 2003) einen Produktionsboom im gesamten hispanokaribischen Raum erlebt.
Bachata entstand Anfang der 1960er Jahre als eine Form des kubanischen bzw. karibischen Boleros (nicht zu verwechseln mit dem spanischen Bolero). Zunächst war Bachata dabei weniger zum Tanzen gedacht, sondern war einer von vielen Stilen der romantischen lateinamerikanischen "Trio"-Gitarrenmusik, die vergleichbar mit der mexikanischen Mariachi-Tradition hauptsächlich der Unterhaltung verliebter Paare diente. In den folgenden Jahrzehnten nahmen Bachata-Musiker Einflüsse aus anderen Stilen wie dem Merengue auf, das Tempo wurde erhöht und Bachata wurde mehr und mehr als Tanzmusik verstanden.
Der Stil ist heute geprägt durch den charakteristischen, hohen und "leiernden" Klang der Gitarren, dem Rhythmus, der auf einem 4/4-Takt mit einer zusätzlichen Betonung auf der 4 beruht, und durch die Texte, die meist von männlichen Sängern gesungen werden und hauptsächlich von enttäuschter Liebe handeln.
Die Schrittfolge ist einfach: Die Beinbewegung kommt aus den Knien heraus, wobei ein Bein neben das andere gesetzt wird. Auf der 4 erfolgt das leichte Anheben des Beins, indem die Hüfte einseitIg hochgezogen wird, was etwas Übung erfordert, und/oder gleichzeitig ein Doppelschlag vor und zurück mit der Hüfte getanzt wird. Letzteres erfordert sehr viel Übung. Genau wie Merengue und Salsa ist Bachata kein standardisierter Tanz, d.h. gibt es viele Variationen und Bewegungsabläufe. Da Bachata normalerweise sehr eng und hüftbetont getanzt wird, gehört er zu den erotischsten Tänzen überhaupt. Die "prüdere" europäische Version wird mit Körperabstand getanzt, wobei auch Figuren miteingebaut werden.
Bachata galt in den 70er und 80er Jahren als vulgäre Musik der unteren Bevölkerungsschichten, wurde mit Prostitution, Kriminalität und Armut assoziiert und im Gegensatz zu Salsa und Merengue kaum im Radio gespielt. Das änderte sich erst um 1990 herum, vor allem durch Juan Luis Guerra, dessen Album Bachata Rosa 1992 einen Grammy gewann.
Der gleichnamige Tanz hat in den vergangenen Jahren enorm an Popularität gewonnen. In der Dominikanischen Republik veranstalten TV-Sender regelmäßig Bachata-Tanzwettbewerbe. Diese Fernsehsendungen sind sehr beliebt.
In Deutschland war das bislang erfolgreichste Bachata-Stück das Lied Obsesión der Gruppe Aventura, das auch R'n'B und Pop-Elemente enthält und im September 2004 auf Platz 1 der Media Control-Singles-Charts war.

Bekannte Vertreter :

Anthony Santos
Joe Veras
Juan Luis Guerra
Raulin Rodriguez
Monchy y Alexandra

Stiltypische Stücke :

Raulin Rodriguez: Arrancame La Vida
Anthony Santos: Sin tí

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Vallenato

Zuallererst waren die Vallenato-Musiker Troubadoure und Spieler; Männer, die übers Land zogen und ihre Freunde, die Natur aber vor allem die Frauen und die Liebe besangen. Ebenso wurden auf diesem Wege schnell die letzten Ereignisse und Nachrichten übermittelt. Gesungen und musiziert erschienen sie viel lebendiger und gefühlvoller als in jedem anderen Kommunikationsmedium. So reisten die Musiker auf Eseln und Pferden durch die Küstenregionen und säten Liebe und Kinder...
Das Akkordeon soll einer Legende zufolge um die Jahrhundertwende mit einem Schiff aus Deutschland gekommen sein. Ein Schiff mit einer Ladung von Instrumenten für Argentinien mußte aufgrund eines Maschinenschadens an der Guajira, der kolumbianischen Karibik-Küste, landen. Die Akkordeons wurden an türkische Händler verkauft, die sie an die schwarzen Arbeiter der Baumwoll- und Bananenplantagen weiterverkauften. Sechs Monate mußten die Arbeiter sparen, um sich dieses Instrument leisten zu können. Wenn sie dann endlich in der Lage waren, ein Akkordeon zu erstehen, liefen sie stolz spielenderweise durch die Straße des Dorfes und die ganze Bevölkerung hinter ihnen her. Die Akkordeons wurden mit nationalen Motiven wie Papageien bemalt und mit kleinen Spiegeln dekoriert. Keiner jedoch war imstande, ihre Besitzer zu unterrichten, so daß aus den Hütten bald ein ganz eigener Stil zu erklingen begann.
Die Lieder strömten einfach aus den Herzen der Spieler. Noch heute sagt man, daß der Vallenato-Stil nicht zu erlernen ist - er kann nur gefühlt werden. Die Akkordeonspieler stammten aus einer Region, in der Magie und Verzaubern aus Liebe und Haß so selbstverständlich wie das tägliche Brot waren - ein Pantheon der exotischen Charaktere aus "Hundert Jahre Einsamkeit". Die ersten Meister des Akkordeonspiels wie Abel Antonio Villa und Francisco Moscote tauchten auf. Um diesen letzten ringen sich unzählige Legenden, die durch Gabriel Garcia Marquez sogar Eingang in die Weltliteratur gefunden haben. Francisco Moscote soll "Francisco El Hombre" gewesen sein, ein Troubadour, der in der ganzen Küstenregion Kolumbiens berühmt war. Eines Tages, nach einer durchfeierten Nacht, ritt er auf seinem Pferd ins nächste Dorf. Auf dem Weg soll ihm der akkordeonspielende Teufel begegnet sein. In einem Akkordeon-Duell konnte Francisco diesen besiegen dank eines spontan komponierten Liedes, das mit folgender Zeile beginnt:

"Dies ist die Liebe, die Liebe, die mich bewegt; während eines Festes erinnere ich mich nie des Todes...".

In dieser Zeit wurde die Musik nur gehört, erst im folgenden begannen die Zuhörer auch zu tanzen. Später entstanden auch verschiedene Vallenato-Stile:

el paseo, ein langsamer, romatischer Stil mit längeren Akkordeon-Einlagen
paseaito, eine von Alfredo Gutierrez und Calixto Ochoa entwickelte Variation des paseo,
la puya, schell und rhythmisch,
callenato-cumbia und
la piquería.

La piquería ist wie ein Hahnenkampf, in dem sich zwei Akkordeonspieler gegenüberstehen und mit vierzeiligen gereimten Versen den anderen zu übertrumpfen versuchen. Dabei muß der Gegener sein Lied immer mit den letzten zwei Zeilen des anderen beginnen. Zusätzlich wird dieses Duell vom Geschrei und Applaus des Publikums begleitet.

In den letzten zehn Jahren hat die Vallenato-Musik viele andere musikalische Stile aufgenommen, wie den merengue und sogar Elemente des Rock. Die klassischen Instrumente des vallenato sind neben dem Akkordeon nur die Bombo-Trommel (la caja) und die Reibe (la guacharaca). In dieser Musik vereinen sich also die drei Kontinente Europa, Afrika und Indo-Amerika. Später sind andere Instrumente wie gaita, Klarinette, Klavier, Schlagzeug und E-Gitarre hinzugekommen.
Die Vallenato-Musik war bis 1967 ein regionaler, im Rest des Landes unbekannter Musikstil. In jenem Jahr wurde das erste Festival der Vallenato-Musik - das "Festival de la Leyenda Vallenata" veranstaltet, das seitdem alljährlich im April in Valledupar, der Hauptstadt der Provinz Cesár stattfindet. Dort können sich die besten Vallenato-Musiker in einem Wettstreit messen, als dessen Sieger der König der Vallenato-Spieler - "el rey vallenato" hervorgeht. Erster Vallenato-König war Alejo Durán, der schwarze Magier des Akkordeons. Er galt als monumentale Persönlichkeit in jeder Beziehung und zeugte fast so viele Kinder wie Lieder. Auf über fünfzig wird seine direkte Nachkommenschaft geschätzt (so genau wußte er es sicher auch nicht). Sein Begräbnis war dem eines Stammesfürsten würdig. Sein Testament hatte er in einem Lied hinterlassen: "... wenn ich sterben werde, möchte ich mit meinem Stück Akkordeon begraben werden...". Dieses Vermächtnis wurde unter den Klängen von zehn Vallenato-Gruppen pompös und schlicht erfüllt.

Auch heutzutage ist der Titel "el rey vallenato" Voraussetzung für Ruhm und kommerziellen Erfolg. Radio- und Fernsehsender sorgen für die Verbreitung der Musik im ganzen Land. So konnte beispielsweise der junger Sänger Carlos Vives mit dem Verkauf von 8.000.000 seiner Vallenato-Platte "Clásicos de la Provin cia" einen absoluten Rekord in der Geschichte des Vallenato aufstellen. Seine Lieder fanden sogar Eingang in die internationalen Charts.

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